Nationalstadion Warschau (PL)
Preisträger 2013
| Ingenieure: | schlaich bergermann und partner (D) |
| Architekt: | gmp • Architekten von Gerkan, Marg und Partner (D) mit JSK Architekci sp. z o.o. (PL); schlaich bergermann und partner (D) |
| Bauherr: | Narodowe Centrum Sportu Sp. z o.o. (PL) |
| Ausführung: | Cimolai Spa (I) Federführend für das Konsortium JV Cimolai S.p.A + Mostostal Zabrze + Hightex GmbH |
| Projektbeschreibung auf Structurae |
Begründung der Jury
Mit dem polnischen Nationalstadion in Warschau wurde ingenieurtechnisches Neuland betreten. Herausragend ist der Entwurf einer Multifunktionsarena mit wintertauglichem wandelbarem Innendach und die Umsetzung in ein komplexes Gesamttragwerk, dessen statisches System verschiedene Prinzipien des Speichenrades synthetisiert. Das äußere der beiden ineinanderliegenden Ringseildächer besitzt eine feste Membraneindeckung zwischen den radialen Seilbindern und einen Glasrand zur inneren Öffnung hin. Das innere Ringseildach trägt die wandelbare Membran. Am äußeren Rand mit nur einem Druckring werden die Seilkräfte an den Spitzen der schräg stehenden Masten umgelenkt und am Fußpunkt der vertikalen Stützen verankert. Der innere Zugring ist mit einer schrägen Druckstütze gespreizt, sodass sich die oberen und unteren Seilscharen in der Luft in einem sorgfältig gestalteten Detail kreuzen. Dieser geteilte innere Zugring wird durch die Tragstruktur des wandelbaren Innendachs so in Form gehalten, dass die innere Dachöffnung der Spielfeldgeometrie folgen kann.
Scheinbar mühelos schwebt mittig über dem Spielfeld eine elegante Nadel (Gewicht der Nadel mit Membrangarage und Videotafel 190 t), die den Hochpunkt des wandelbaren Innendachs bildet. Hier bündeln sich die achsweise nach oben geführten Seile, auf denen das Innendach verfahren werden kann. Getragen wird die Nadel durch vier Seilscharen, die jeweils zu den Ecken der Dachöffnung spannen.
Spektakulär war der Montageprozess, der höchste Präzision in Planung und Ausführung erforderte. Zunächst wurde die sich auf der darunter angelegten Tiefgarage abstützende 70 m lange Nadel durch eine Aussparung in der Spielfeldmitte in einem Köcherfundament senkrecht aufgestellt. Aufgrund ihres Gewichts musste der Hebevorgang exakt vertikal nach oben erfolgen, wobei keine horizontalen Verformungen auftreten durften. Mithilfe einer anspruchsvollen Berechnung des Hebevorgangs konnte die exakte Geometrie der ausgelegten Seile ermittelt werden.
Im Montagevorgang zeigte sich, ob die Vorberechnungen zutrafen und wie präzise die Toleranzen eingehalten wurden. So manifestierte sich hier die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und ausführenden Firmen. Ausgezeichnet werden die ungewöhnliche Konstruktion und die ingeniöse Beherrschung des Spiels der Grundbeanspruchungen von Druck und Zug in der Planung und Ausführung. Das Ergebnis ist eine bis ins Detail gestalterisch durchdachte strukturale Komposition, die ästhetisch und konstruktiv überzeugt.

Nationalstadtion Warschau (PL) Foto: Marcus Bredt
Sanierung Hauptbahnhof, Hamburg (D)
Auszeichnung 2013
Ingenieure: | lngenieurbüro A. Elsner (D) |
| Architekt: | lngenieurbüro A. Elsner (D) |
Bauherr: | DB Station & Service AG, Regionalbüro Nord, Büro Hamburg (D) |
Ausführung: | Eiffel Deutschland Stahltechnologie GmbH (D) |
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Begründung der Jury
Eine immer wichtiger werdende Ingenieuraufgabe der Zukunft besteht im Erhalt und der Instandsetzung/Verstärkung unserer vorhandenen Bausubstanz. Dabei gilt es sowohl die gestalterischen Leistungen unserer Vorfahren zu bewahren als auch mit moderner Technik die Sicherheit und Dauerhaftigkeit zu garantieren. Eine besondere Erschwernis liegt in der Tatsache, dass derartige instandsetzungbedürftige Bauwerke in der Regel einer intensiven Nutzung unterliegen und ein Ausfall signifikante Auswirkungen haben kann. Deshalb sind besondere Lösungen erforderlich.
Ein herausragendes Beispiel für eine ästhetisch erstrangige Konstruktion, die gleichzeitig von sehr vielen Menschen unmittelbar genutzt wird, stellt der Hamburger Hauptbahnhof dar. Eine Tragkonstruktion aus dem Jahre 1906, die im schönsten Sinne eine Kathedrale des Reisens darstellt und für die leider kaum noch statische Unterlagen vorhanden sind, wies nach über hundert Jahren gravierende Mängel auf. Um eine möglichst ununterbrochene Nutzung mit geringsten Einschränkungen zu bekommen, haben die Entwurfsverfasser eine nahezu unsichtbare Instandsetzung geplant. Statt einer Vielzahl von temporäreren Unterstützungen zu bauen, um von unten an die Konstruktion heranzukommen, wurden alle Sanierungsarbeiten quasi von oben durchgeführt. Was so einfach klingt, hatte zahlreiche ingenieurtechnische Probleme zur Folge.
Damit wird hier nicht nur ein neues Bauwerk lobend erwähnt, sondern die ingenieurtechnische Leistung bei der Instandsetzung und Verstärkung einer vorhandenen Tragstruktur. Insbesondere wurden filigrane, leicht und schnell zu montierende und demontierbare Schutznetzkonstruktionen im Inneren der Haupthalle verwendet. Dadurch gab es nur kaum spürbare Beeinträchtigungen des Bahn- und Reisendenverkehrs. Die Bauhilfskonstruktionen mussten dabei so leicht wie möglich ausgeführt werden, da die Lastreserven der bestehenden Tragkonstruktion sehr gering waren. Durch die Erneuerung der Glasfassaden ist die schon zuvor beeindruckende Bahnhofshalle wesentlich heller und noch attraktiver geworden.

Hauptbahnhof Hamburg (D)
Stahlviadukt Binnenhafenbrücke, Hamburg (D)
Auszeichnung 2013
Ingenieure: | WTM Engineers GmbH (Massivbau) (D) |
| Architekt: | Grundmann + Hein Architekten (D) |
Bauherr: | Hamburger Hochbahn AG (D) |
Ausführung: | Fr. Holst GmbH & Co. KG (Massivbau) (D) |
| Projektbeschreibung auf Structurae |
Begründung der Jury
Die Binnenhafenbrücke als Viadukt-Bauwerk für die U-Bahn liegt in exponierter Lage an der Mündung der Alster in die Elbe und ist beidseits umgeben von Straßenbrücken. Das historische Vorgängerbauwerk aus der Kaiserzeit war eine freistehende Fachwerkbrücke. Erst durch die massiven Straßenbrücken späterer Jahre wurde der Ausblick auf Elbe und Alster verbaut.
Mit dem Ersatzneubau wird die historische Stahlgitterkonstruktion nicht aufgegriffen, wohl aber das ursprüngliche Erleben der Brückensituation über die Alster. Die ästhetisch ausgewogene Viaduktbrücke verbessert nicht nur den gestörten Blick, sondern verdeutlicht auch durch ihre konstruktiv schlüssige Bogenform gestalterisch gelungen die Überbrückung der Alstermündung.
Die moderne, funktionale Konstruktion der Binnenhafenbrücke greift historische Formen auf und korrespondiert so hervorragend mit dem Kontext der umliegenden Speicherstadt. Das Viaduktbauwerk ist somit ein sehr gutes Beispiel für eine funktionale und sensible Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur in einer urbanen Umgebung.
Stahlviadukt Binnenhafenbrücke, Hamburg (D)







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