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Ingenieurbaupreis

Der Verlag Ernst & Sohn zeichnet seit 1988 alle zwei Jahre herausragende Leistungen im konstruktiven Ingenieurbau aus, um das Wirken von Bauingenieuren und ihr Engagement für Baukultur ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

16. Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis

Auf der Preisverleihung am 12. Februar 2019 im Deutschen Museum München hat der Verlag Ernst & Sohn den Preisträger des 16. Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreises bekanntgegeben. Der Jury-Vorsitzende, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Mark, verkündete den Preisträger und die ausgezeichneten Projekte den über 100 anwesenden Gästen. Die dreizehnköpfige Jury, bestehend aus namhaften Vertretern aus Wissenschaft, Praxis sowie Behörden und Verbänden, wählte Anfang November aus 25 hochkarätigen Einreichungen zunächst fünf wiederum herausragende Projekte für die Shortlist aus. In einer zweiten Jury-Sitzung im Januar 2019 wurde schließlich in einer mehrstündigen Diskussion der Preisträger ermittelt.

Preisträger

Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei)

Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei) © Doğuş Group
© Doğuş Group

  • Ingenieure: EiSat GmbH, Berlin (D)
  • Architekten: kleyer.koblitz.letzel.freivogel Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (D)
  • Auftraggeber der Planungsleistung: Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Berlin (D)
  • Geotechnik/ Gründungskonzept: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Richard A. Herrmann – Institut für Geotechnik – Universität Siegen

Jurybegründung

Die Jury vergab den Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis 2019 an das Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei). Das Bauwerk erfüllte nach Ansicht der Jury in herausragender Weise die Summe der verschiedenen Bewertungskriterien (Konstruktion, Innovation, Interdisziplinarität, Ästhetik, Nachhaltigkeit).

Besonders beeindruckte die Jury der Umgang des Entwurfs mit der sensiblen Umgebung der Ausgrabungsstätte und dem Zusammenspiel der Dachform mit der Hügellandschaft. Die Gründungskonstruktion wurde aus den örtlichen Erfordernissen heraus auf ein Minimum reduziert. Der darauf errichtete Laufsteg übernimmt im Bauzustand bereits die Aussteifung der Unterkonstruktion und nimmt die Fachwerkstreben auf, die den horizontalen Dachringträger in gleichmäßigen Abständen stützen. Die Stahlkonstruktion ermöglicht maximale Vorfertigung, leichten Transport und eine schnelle Montage der Dachkonstruktion vor Ort. Das Dach als vorgespanntes Seilnetz mit PTFE Membran sichert neben dem Witterungsschutz auch eine natürliche Beleuchtung der Ausgrabungsstätte.

Die Jury würdigte in besonderer Weise das Zusammenspiel aus Form und Funktion der Dachkonstruktion, welche in der Außenwirkung als eigenständiges Bauwerk besticht, während es sich in der Innenwirkung durch maximale Transparenz gegenüber den Ausgrabungen zurücknimmt.

Auszeichungen

Zwei weitere, für die Shortlist nominierte Projekte, erhielten eine Auszeichnung (ohne Rangfolge):

Kienlesbergbrücke (Ulm)

Kienlesbergbrücke (Ulm) © P. Blaha
© P. Blaha

  • Ingenieure: KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, Karlsruhe (D); Klähne Beratende Ingenieure im Bauwesen GmbH, Berlin (D)
  • Architekten: Knight Architects, Bartlomiej Halaczek, High Wycombe (GB)
  • Bauherr: Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm: SWU Verkehr GmbH (D)
  • Ausführung: SEH Engineering GmbH, Hannover (D)

Jurybegründung

Die Kienlesbergbrücke für Straßenbahnen, Fußgänger, Radfahrer und Bussersatzverkehr überquert am Ulmer Hauptbahnhof mehrere bestehende Gleise, sowie den Albabstiegstunnel der ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm.

Das Bauwerk zeichnet sich durch seine Eigenständigkeit im städtebaulichen Kontext besonders aus und wirkt ordnend und identitätsstiftend auf das unruhige Umfeld. Gleichzeitig geht das kraftvolle Bauwerk durch seine Form und Konstruktion respektvoll auf den Bestand der benachbarten denkmalgeschützten Neutorbrücke ein. Das Zusammenspiel von Ingenieurleistung, architektonischer Gestaltung und den funktionellen Anforderungen ist selbstbewusst gelöst. Die trennende Wirkung der Gleisanlagen wird nicht nur überbrückt, sondern bietet den Fußgängern Aufenthaltsqualitäten und neue Ausblicke auf die Stadt Ulm.

Die Entwicklung der Tragkonstruktion oberhalb der Fahrbahnebene aufgrund der begrenzten Durchfahrtshöhe zitiert den Wettbewerbsentwurf für den „Großen Belt“ des DYWIDAG Ingenieurs Herbert Schambeck, langjähriger Mitarbeiter von Ulrich Finsterwalder aus den 1960 er Jahren.

Das Ingenieurbauwerk wird als besondere Leistung der interdisziplinären Zusammenarbeit ausgezeichnet, welches mit seinem kraftvollen Ausdruck dem Ort eine neue Identität verleiht.

Trumpf Steg (Ditzingen)

Trumpf Steg (Ditzingen) © schlaich bergermann partner
© schlaich bergermann partner

  • Ingenieure: schlaich bergermann partner (D)
  • Architektonische Beratung: Barkow Leibinger, Berlin (D)
  • Bauherr: TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen (D)
  • Ausführung: Franz Prebeck GmbH & Co. KG, Bogen (D)

Jurybegründung

Mit diesem Bauwerk ist es auf eine ästhetisch sehr ansprechende und technisch innovative Weise gelungen, die verkehrliche Notwendigkeit, eine öffentliche Straße innerhalb des Betriebsgeländes der Fa. Trumpf zu überbrücken, mit einer gestalterischen und technologischen Bezugnahme auf den Unternehmenszweck des Auftraggebers zu verbinden.

Dabei entstand ein leichtes und transparentes Brückentragwerk, bei dem die Grenzen zwischen Funktion und Kunstobjekt verschwimmen. Die Laserschneidtechnik des Auftraggebers wurde verwendet, um aus dünnen Stahlblechen ein räumlich gekrümmtes, lichtdurchlässiges Schalentragwerk zu formen. Die dabei entstandene Netzstruktur wird mit dem Einsatz von Glasperlen im Gehwegbelag und von Geländern aus Glaselementen kombiniert. Entstanden ist ein auf den Auftraggeber individuell zugeschnittenes Brückentragwerk mit auszeichnungswürdiger Ästhetik und innovativen konstruktiven Detaillösungen.

Shortlist-Projekte

(ohne Rangfolge)

  • Kienlesbergbrücke (Ulm)
  • Rethebrücke (Hamburg)
  • Schutzdach für die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe (Türkei)
  • Taminabrücke (St. Gallen, Schweiz)
  • Trumpf Steg (Ditzingen)

Weitere Einreichungen

  • 50Hertz Netzquartier (Berlin)
  • Lahntalbrücke Limburg (BAB A3 Köln – Frankfurt)
  • Freiform-Gitterschale Chadstone Shopping Centre (Melbourne, Australien)
  • ÖAMTC-Mobilitätszentrum (Wien, Österreich)
  • Umbau und Verstärkung der Pont Grande Duchesse Charlotte (Rout Bréck Luxemburg)
  • Hallendach U4, Haltestelle Elbbrücken (Hamburg)
  • Schierker Feuerstein Arena (Wernigerode)
  • Schönbuchturm (Naturpark Schönbuch, Herrenberg)
  • Vorserienentwicklung der „Stellio“ Heliostattechnologie für Solarturmkraftwerke (Plataforma Solar de Almería / Jülich, Spanien)
  • Lautertalbrücke (BAB A6, Kaiserslautern)
  • Neubau Ludwig Erhard Zentrum (Fürth)
  • Schlotterbeck Areal (Zürich, Schweiz)
  • Frankfurt School of Finance and Management (Frankfurt am Main)
  • Wolkenhain Aussichtsbauwerk (Berlin-Marzahn)
  • Bürogebäude Unterstrasse 12 (St. Gallen, Schweiz)
  • ThyssenKrupp Testturm in Rottweil (Rottweil)
  • Übungshalle für die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg (Würzburg)
  • Ortenau-Brücke (Lahr )
  • Bauhilfsmaßnahmen für den Bau der Taminabrücke (Pfäfers / Valens, Schweiz)
  • Faulbehälter (Würzburg)

Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis Logo 70x20

Der Verlag zeichnet seit 1988 alle zwei Jahre herausragende Ingenieurleistungen im Konstruktiven Ingenieurbau aus. Mit der Auslobung zum Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis 2019 geschieht dies bereits zum 16. Mal, um das Wirken von Bauingenieuren und ihr Engagement für Baukultur ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Der Ulrich Finsterwalder Ingenieurbaupreis von Ernst & Sohn wurde an ein Projektteam für das ausgezeichnete Bauwerk vergeben. Die Gewinner erhielten jeweils eine repräsentative Plakette. Darüberhinaus dokumentierte und publizierte der Verlag alle Wettbewerbsbeiträge in seinen Print- und Online-Angeboten.Deutsches Museum Logo

Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Festveranstaltung im Februar 2019 im Deutschen Museum in München statt.

Teilnahmebedingungen

  • Die Ingenieurleistung muss innerhalb Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz erbracht worden sein. Der Standort des zu prämierenden Bauwerks ist regional nicht eingeschränkt und kann sich weltweit befinden. Zugelassen sind auch Bauprojekte, die von ausländischen Ingenieuren in Deutschland gebaut wurden. 
  • Das Bauwerk muss zwischen 1. September 2016 und 30. August 2018 fertiggestellt worden sein (Datum der Bauabnahme).
  • Berechtigt zur Einreichung sind Bauingenieure, die für den Entwurf und/oder die Ausführung maßgeblich verantwortlich waren.

Bewertungskriterien

Die gesamte Baumaßnahme wird nach funktionalen, technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Gesichtspunkten bewertet, wobei eine besondere Ingenieurleistung erkennbar sein muss. Zur Bewertung der eingereichten Objekte werden folgende Kriterien herangezogen: 

  • Konstruktion
  • Innovation
  • Interdisziplinarität
  • Ästhetik
  • Nachhaltigkeit

Kontakt

Wilhelm Ernst & Sohn
Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG
Rotherstr. 21, 10245 Berlin,
Deutschland

Dr.-Ing. Dirk Jesse
Tel. +49(0)30 47031-275
ingenieurbaupreis@ernst-und-sohn.de

Danksagung

Wir danken unseren Partnern für Ihre freundliche Unterstützung.

Ingenieurbüro Grassl

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SEH Engineering GmbH

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